Trotz der im Schuljahr 2024/25 von Lehrkräften geleisteten über 1,1 Millionen Überstunden – erbracht durch Vorgriffstunden, Zusatzstunden und Mehrarbeit – verharrt der Unterrichtsausfall in Sachsen-Anhalt auf einem besorgniserregenden Rekordniveau. Dies geht aus der Auswertung einer Kleinen Anfrage der Fraktion DIE LINKE, veröffentlicht am 22. September 2025, hervor, die regelmäßig den Umfang und die Ursachen von Unterrichtsausfall und Vertretungsunterricht untersucht.

Die Ergebnisse im Einzelnen:

  • An allgemeinbildenden Schulen konnte 8,6 % des Unterrichts bei Ausfall von Lehrkräften nicht vertreten werden – der höchste Wert seit zwei Jahrzehnten.
  • An berufsbildenden Schulen liegt dieser Anteil bei 10,8 %.
  • Besonders gravierend ist die Situation an Förderschulen, wo 11,6 % des Unterrichts ersatzlos ausfallen – das entspricht mehr als jeder neunten Unterrichtsstunde.

Thomas Lippmann, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und bildungspolitischer Sprecher, erklärt hierzu:

„Die Belastungen der Lehrkräfte durch ständige Überstunden und immer größere Herausforderungen durch volle Klassen und fehlende Unterstützung bei der Inklusion und der Sprachförderung von Migranten in den Regelschulen fordern ihren Tribut. Der hohe Krankenstand und das anhaltende massenhafte Ausscheiden von Lehrkräften vor dem Erreichen der regulären Altersgrenze verschärfen die Personalprobleme in den Schulen.“

Der weiterhin überdurchschnittlich hohe Krankenstand unter Lehrkräften bleibt der Hauptgrund für den Unterrichtsausfall – trotz leichter Rückgänge seit dem Höchststand im Schuljahr 2022/23. Besonders betroffen sind Förderschulen sowie Grund-, Sekundar- und Gemeinschaftsschulen. Lehrkräfte an Gymnasien sind etwas weniger betroffen. Zusätzlich verzeichnet die Statistik einen deutlichen Anstieg von Ausfällen infolge von Mutterschutz, Elternzeit und Erkrankungen von Kindern – ein Effekt der verjüngten und weiblich geprägten Lehrerschaft.

Eine weitere Verdichtung der Arbeitsbelastung ist keine Lösung. Vielmehr bedarf es einer personellen Verstärkung durch qualifizierte Fachkräfte – darunter pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Schulsozialarbeiterinnen sowie zertifizierte Bildungsträger, die Unterricht gemäß Stundentafel oder berufspraktische Inhalte übernehmen können.

Torsten Wahl, Vorsitzender des VBE Sachsen-Anhalt, führt dazu aus:

„Eine zusätzliche Unterrichtsstunde bedeutete eine weitere Stunde Vor- und Nachbereitung – also mindestens eine zusätzliche Stunde Arbeitsbelastung. Der Lehrkräftemangel wurde dadurch nicht behoben. An einer kleinen Grundschule mit sieben Lehrkräften sollte rechnerisch eine Viertelstelle ‚produziert‘ werden – tatsächlich benötigt wird jedoch eine vollwertige Lehrkraft. An einer Sekundarschule ohne Physiklehrkraft wurden rechnerisch 30 Unterrichtsstunden pro Woche ‚erzeugt‘ – die fehlende Lehrkraft blieb dennoch unbesetzt. Die bisher ‚produzierten‘ Bruchteillehrkräfte führten zu keiner Entspannung an den Schulen des Landes.“

„Der VBE Sachsen-Anhalt appelliert an die Landesregierung, endlich wirksamere und nachhaltige Maßnahmen zur Sicherstellung der Unterrichtsversorgung zu ergreifen und die Lehrkräfte spürbar zu entlasten und so für ein gerechtes und stabiles Bildungssystem zu sorgen“ so Wahl weiter.

vbe-redaktionsteam

Gefällt mir:

Cookie Consent mit Real Cookie Banner