Rückblick –  Vier Jahre im Zeichen tiefgreifender Veränderungen, klarer Positionierungen und wachsender Herausforderungen

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Sachsen-Anhalt blickt auf eine Legislaturperiode zurück, die von erheblichen bildungs- und berufspolitischen Umbrüchen geprägt war. Zwischen 2022 und 2025 bestimmten strukturelle Reformen, rechtliche Auseinandersetzungen, Tarifverhandlungen und der anhaltende Lehrkräftemangel die Arbeit des Verbandes – begleitet von einer deutlichen Intensivierung der gewerkschaftlichen Interessenvertretung.

Unmittelbar nach dem Landesvertretertag 2022 ordnete der neugewählte geschäftsführende Vorstand seine Arbeitsbereiche neu. Während Tarifrecht, Öffentlichkeitsarbeit und schulfachliche Referate weiterhin Torsten Wahl zugeordnet blieben, übernahm Kerstin Bode das Dienstrecht. Viele Aufgaben wurden jedoch fortan gemeinschaftlich bearbeitet – ein Schritt hin zu stärkerer Teamarbeit und flexiblerer Reaktion auf politische Entwicklungen.

Besonders prägend war der bildungspolitische Konflikt um das sogenannte „4+1“-Modell des Bildungsministeriums. Landesvorsitzender Torsten Wahl bezeichnete den Vorschlag in einer Pressemitteilung als „Bankrotterklärung“ und „Vergeudung von Lebens- und Lernzeit“ – eine Position, die dem Verband landesweit Aufmerksamkeit verschaffte.

Der Bildungsgipfel 2023 brachte zunächst Hoffnung auf gemeinsame Lösungen, doch die überraschende Einführung der Vorgriffsstunde führte zu massiver Kritik. Der VBE begleitete die rechtliche Auseinandersetzung intensiv und unterstützte betroffene Lehrkräfte. Erst das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 4. September 2025 brachte Klarheit: Die Vorgriffsstunde wurde als rechtswidrig eingestuft.

Der VBE war in allen relevanten bildungspolitischen Gremien präsent – vom Landesschulbeirat über Anhörungen im Landtag bis hin zu Gesprächen mit Fraktionen. Besonders engagiert zeigte sich der Verband bei Themen wie:

  • Verbesserung der Lehramtsausbildung
  • Unterstützung für Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger
  • Ausbau schulischer Unterstützungssysteme
  • Höhergruppierung der Grundschullehrkräfte

Auch bei der Diskussion um Demokratiebildung und Drittelparität bezog der Verband klar Stellung.

In zwei Tarifrunden (2023 und 2025/26) setzte sich der VBE für bessere Bedingungen der Tarifbeschäftigten ein. Während 2023 noch spürbare Verbesserungen erreicht wurden, fiel das Ergebnis 2025/26 aus Sicht des Verbandes enttäuschend aus. Die stufengleiche Höhergruppierung für Lehrkräfte wurde nicht berücksichtigt – ein Rückschlag für viele Beschäftigte.

Parallel dazu engagierte sich der Verband in beamtenpolitischen Fragen wie Lehrergesundheit, Besoldung, Nachwuchsgewinnung und Arbeitszeitmodellen.

Die Personalratswahlen 2025 bestätigten die Bedeutung des VBE in allen Gremien. Schulungen für Wahlvorstände und Personalräte stießen auf große Resonanz. Der Schulpersonalrat sollte es als seine dringlichste Aufgabe ansehen, die Interessen aller Beschäftigten der Dienststelle zu vertreten.

Der Junge VBE entwickelte sich zu einer tragenden Säule der Verbandsarbeit. Die vollständige Betreuung des VBE-Standes auf der Leipziger Buchmesse 2025 und 2026 unterstreicht die wachsende Bedeutung der Nachwuchsarbeit.

Mit der Übernahme des Referats Öffentlichkeitsarbeit durch Martin Scholz wurde zudem eine Professionalisierung der Kommunikationsarbeit eingeleitet.

Ein deutlicher Mitgliederrückgang und steigende Abgaben an Dachverbände machten 2024 tiefgreifende Einschnitte notwendig. Der Hauptvorstand beschloss unter anderem:

  • die Umstellung der Verbandszeitschrift transparent auf ein Online-Format
  • die Einführung einer Verbände-App
  • die schrittweise Absenkung der Kreisrückführung

Auch personelle Veränderungen in der Landesgeschäftsstelle waren Teil der Konsolidierungsmaßnahmen.

Der VBE Sachsen-Anhalt hat in den vergangenen Jahren unter schwierigen Rahmenbedingungen konsequent für die Interessen der Lehrkräfte gekämpft. Ob in Tarifrunden, bildungspolitischen Debatten oder rechtlichen Auseinandersetzungen – der Verband blieb eine verlässliche Stimme für bessere Arbeitsbedingungen, mehr Unterstützung und eine zukunftsfähige Schulpolitik.

Torsten Wahl, alter und neuer Landesvorsitzender des VBE Sachsen-Anhalt, kritisierte in diesem Zusammenhang das jahrelange Zögern des Landes bei der Schaffung rechtssicherer Rahmenbedingungen. Dies habe zu unnötiger Verunsicherung in den Kollegien geführt.

 

Blick nach vorn

Mit Blick auf die bevorstehende Landtagswahl diskutierten die Delegierten mögliche Veränderungen in der Schulstruktur sowie notwendige inhaltliche Weiterentwicklungen des Bildungssystems in Sachsen-Anhalt. Ein Schwerpunkt lag auf der Frage, wie künftig mit dem 4+1‑Modell umgegangen werden soll.

Mit großer Mehrheit verabschiedeten die Delegierten die Position „Schulen brauchen Stabilität statt Strukturbrüche“ und setzten damit ein klares Signal an die Landespolitik.

Bei den Vorstandswahlen wurde Torsten Wahl als Landesvorsitzender eindrucksvoll im Amt bestätigt. Als stellvertretende Landesvorsitzende wurden gewählt:

  • Kerstin Bode
  • Ludger Thieler
  • Martin Scholz

Zum Schatzmeister bestimmten die Delegierten Michael Sommer.

Als Kassenprüfer wurden Annett Gottschalk, Andrea Bade und Karsten Meier gewählt.

Im zweiten Teil des Landesvertretertages begrüßte der VBE Sachsen-Anhalt den Bundesschatzmeister des VBE, Stefan Wesselmann, als Vertreter der Bundesleitung.

Eine anschließende Podiumsdiskussion mit Stefan Wesselmann, Torsten Wahl, Carolin Büber vom Jungen VBE sowie Moderator Martin Scholz widmete sich drei zentralen Zukunftsfragen:

  • Strategien zur Mitgliedergewinnung
  • Gestaltung des Übergangs von der Grundschule zur weiterführenden Schule
  • Weiterentwicklung der frühzeitigen Berufsorientierung

Am Rande des Landesvertretertages wurden langjährige Vorsitzende verschiedener Kreisverbände verabschiedet. Gleichzeitig wurden die neu gewählten Kreisvorsitzenden herzlich in ihrem Amt begrüßt.

 

vbe-redaktionsteam

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