1. Die Grund- und Leistungskurse sind vor mehr als 10 Jahren abgeschafft worden. Der Anlass könnte die Halbierung der Schülerzahlen in der Kursstufe ab 2007 gewesen sein. Dadurch konnten an kleineren Gymnasien Schüler weiterhin in Physik, Chemie oder Latein Abitur auf Leistungskursniveau schreiben. Die entstandenen Klassenverbände(Tutoriate) stärkten die sozialen Bindungen zwischen den Schülern, da sie in 4 Fächern bzw. in bis zu 16 Wochenstunden gemeinsam Unterricht haben.
  2. Bei Wiedereinführung der Grund- und Leistungskurse in allen Kern- und Profilfächern würde sich diese Anzahl auf 1 Fach bzw. 2 bis 5 Wochenstunden verringern. Das heißt, es gäbe den gewünschten Klassenverband nicht mehr. Ich würde bei der Umsetzung der KMK-Richtlinie die Variante mit den geringsten Veränderungen vorschlagen. Deutsch und Geschichte werden weiterhin ohne Differenzierung in LK und GK mit 4 Wochenstunden unterrichtet. In Mathematik, Naturwissenschaften und Fremdsprachen werden Grund- und Leistungskurse gebildet. Jeder Schüler wählt aus diesen Fächern zwei auf LK-Niveau. Das ergibt in der Summe 4 Fächer auf LK-Niveau und noch mindestens 10 gemeinsame Stunden im Tutoriat.
  3. Ob die geplante Veränderung den Schülern eine Erleichterung beim Erwerb des Abiturs bringt, hängt von der Anzahl der Wochenstunden und den Lehrplaninhalten ab, die man den Grund- und Leistungskursen zuordnet.Variante 1: Es erfolgt nur die Trennung in LK und GK. Beide Kursarten werden wie bisher mit 4 Wochenstunden unterrichtet. Der jetzige Lehrplan bleibt für beide Kursarten gültig. Im GK wird mehr geübt und im LK wird mehr vertieft. Das wäre der einfachste Weg zur Erfüllung der KMK-Richtlinie.
    Eine Verringerung der Wochenstundenzahl führt bei jeder Kursart zu einer Verschlechterung und eine Erhöhung zu einer Erleichterung gegenüber der aktuellen Situation.Variante 2: Es erfolgt die Trennung in LK und GK. Die Lehrplaninhalte für GK werden verringert und beim LK werden Erweiterungen vorgenommen. Dann könnte man wie früher zu 3 (GK) und 5(LK) Wochenstunden zurückkehren.
    Eine Erhöhung der angegebenen Wochenstunden führt zu einer deutlichen Verbesserung gegenüber der aktuellen Situation.
  4. Die Wiedereinführung der GK und LK verschlechtert bei kleineren Gymnasien die Kurswahlmöglichkeiten der Schüler. LK in Fächern wie Physik, Chemie oder Latein könnten nur selten gebildet werden. wenn man die aktuellen Anzahlen der Prüflinge auf LK-Niveau in diesen Fächern berücksichtigt.

Hilmar Penne,
Leiter des Referates Gymnasien beim VBE Sachsen-Anhalt