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Unterrichtsorganisation an Sekundarschulen für das Schuljahr 2015/16

Die schülerbezogene Stundenzuweisung fordert an den Schulen Kreativität und Schöpfertum bei der Stundenplangestaltung.

Der Organisationserlass fordert Schulleitungen heraus insbesondere mit

  • der schülerbezogenen Zuweisung
  • Inklusionspool
  • der abschlussbezogenen Differenzierung

das neue Schuljahr vorzubereiten.

Kreativität und Schöpfertum wird von den Schulleitungen gefordert!

Und wieder standen die Verantwortlichen im Kultusministerium zur Vorbereitung auf das Schuljahr 2015/16 vor der alljährlich wiederkehrenden Aufgabe:

Einerseits in der Stundentafel den verschiedenen Fächergruppen sowie dem Wahl- und Förderbereich die Pflichtstunden für die jeweiligen Jahrgänge zuzuteilen und andererseits entsprechende Lehrerwochenstunden den Schulen zur Realisierung der amtlichen Stundentafel zuzuweisen.

Ist es mit der schülerbezogenen Stundenzuweisung besser gelungen, dem Lehrerbedarf der Schulen zu entsprechen als in den Schuljahren zuvor?
Der Gesamtbedarf einer Schule ergibt sich jetzt aus dem Grundbedarf (1,48 x Schülerzahl + 78) und dem Inklusionspool (lt. entsprechender Formel).
Es kann damit gerechnet werden, dass für Schulen mit hohen Klassenstärken eine Entlastung erfolgt. Schulen mit kleinen Klassenfrequenzen dagegen müssen schöpferisch die neue Stundentafel umsetzen.

Die Zuweisung des Bedarfs im Gemeinsamen Unterricht erfolgt für einen Zeitraum von 3 Jahren. Es wird davon ausgegangen, dass sich die Anzahl der GU–Schüler innerhalb dieser Zeitspanne an den Sekundarschulen nicht wesentlich verändert. Grundlage für die Berechnung bildet die Anzahl der GU – Schüler aus dem Schuljahr 2014/15. Eine Pro-Kopf-Zuweisung wird also nicht erfolgen, sondern es wird nach vorgegebener Formel VZLE zugewiesen. Für Schulen mit einer kleinen Gesamtschülerzahl ergibt sich ein positiver Effekt. Das Landesschulamt wird den ermittelten Bedarf an Lehrkräften auf halbe bzw. ganze VZLE runden. Diese Art der Zuweisung gewährleistet Planungssicherheit an den Schulen. Es bleibt allerdings abzuwarten, wie im Prozess der weiteren Reduzierung von Förderschulen und einer unumgänglichen Nachdiagnostizierung von Schülern das Kultusministerium bzw. das Landesschulamt reagieren wird.
In den vergangenen Schuljahren wurde bereits eine Vielzahl von Abordnungen/Versetzungen von Förderschullehrkräften an Sekundarschulen vorgenommen. Perspektivisch sollten sämtliche Ressourcen für den GU von Förderschullehrkräften abgedeckt werden um Entlastung von Lehrkräften an Sekundarschulen zu schaffen und die fachliche Kompetenz im Umgang mit GU–Schülern zu sichern.

Die Pflichtstundenzahl für das bevorstehende Schuljahr ist innerhalb der Jahrgänge 5/6, 7/8 sowie 9 und 10 innerhalb einer Spanne von 2 bzw. 4 Unterrichtsstunden angegeben. Dabei sind alle in der Stundentafel ausgewiesenen Fächer eines Schuljahres vorzuhalten (vgl. Pkt. 2.1).
Fächerübergreifende Kurse werden konkret benannt, wobei mit Zustimmung des Landesschulamtes auch Kurse entsprechend dem Schulkonzept eingerichtet werden können. Allerdings sind Arbeitsgemeinschaften nicht mehr im Bestand der Pflichtstundentafel. Diese Einsparung schwächt ggf. die Profilierungsmöglichkeit der Sekundarschule.
Wie bisher, können mit der Zusammenführung einzelner Fächer in Fächergruppen mögliche Defizite an Lehrkräften für bestimmte Fächer über einen begrenzten Zeitraum kompensiert werden.
Mit dem „ Zusammenspiel“ von Pflichtbereich I und II bieten sich Möglichkeiten an, individuelle Stundenpläne an den Schulen zu gestalten und Profile zu erarbeiten. Allerdings bleibt offen, wie der fächerübergreifende Unterricht, der gerade im Sek I– Bereich der Sekundarschulen Bedeutung hat noch angeboten und gestaltet werden kann! Die fächerübergreifenden Kurse werden zwar konkret benannt, aber die Bereitstellung von Stunden wird ggf. an Schulen schwierig werden.

Gestaltungs- und Variationsmöglichkeiten bestehen lt. Punkt 4.2.:

Die Stunden des fächerübergreifenden Pflichtstundenpools können dem fachbezogenen Unterricht zugeordnet (zurückgeführt) oder auch mit dem Wahl-und Förderbereich zusammengeführt und realisiert werden. Es besteht auch die Möglichkeit, diesem Pflichtstundenpool weitere Stunden zuzuordnen.

Eine Herausforderung für Schulleitungen und Lehrkräfte wird die Einbindung und Gestaltung von fächerübergreifendem Unterricht und fächerübergreifenden Kursen sein. Sind Kompetenzen zum Einsatz geeigneter Instrumente (klassenübergreifender Unterricht, Großgruppenunterricht, Teamteaching, u.a.) ausgebildet? Hatten Lehrkräfte ausreichend Zeit zur Vorbereitung? Konnten erforderliche Unterrichtsmaterialien beschafft und bereitgestellt werden?

Angebote zur Fortbildung sind erforderlich!

Im Abschnitt 2.7 sind wesentliche Kriterien für die abschlussbezogene Differenzierung konkret formuliert und mögliche Organisationsformen aufgezählt.

Offen bleibt, wie die Schulen im Lande die Herausforderung der abschlussbezogenen Differenzierung zum bevorstehenden Schuljahr meistern. Wurden die Lehrkräfte qualifiziert? Auch zu diesen Aspekten sind zeitnahe Fortbildungen und ein kontinuierlicher Erfahrungsaustausch erforderlich!

Mit den Vorgaben im Punkt 3 erhalten Schulleitungen einen größeren Gestaltungsspielraum bei der Klassen- und Gruppenbildung.

So soll in der Regel die Schülerzahl einer Klasse oder Lerngruppe 28 Schüler nicht überschreiten, aber nur im Regelfall! Also sind Ausnahmen möglich.

Bei der Gruppenbildung von Lerngruppen im Fach Hauswirtschaft und Technik sind hauptsächlich versicherungsrelevante Belange zu berücksichtigen. Eine Gruppenstärke wird nicht vorgeschrieben.

Zur Größe von Lerngruppen in der 2. Fremdsprache wurden keine Vorgaben gemacht. Darüber werden sicher „Planer“ und Fachlehrkräfte erfreut sein.

Fazit

Der Organisationserlass 2015/16 gestattet einer Vielzahl von Schulen mit einer individuellen Unterrichtsorganisation die schulinterne Profilbildung zu gestalten. Nicht besetzte Lehrerstellen (fachlehrergerechter Unterricht, längerer Krankheitsausfall von Lehrkräften, u.a.) können zeitweise ausgeglichen werden.

Eine Unterrichtsversorgung von 103% wird zwar den Schulen vom Kultusministerium zugesichert. Wird es aber zum Schuljahresbeginn und darüber hinaus gelingen?

Sekundarschulen, die den Schritt zur Gemeinschaftsschule vollzogen haben, werden von der Fülle der Absolventen mit Lehramt an Gymnasien profitieren. Derartige Absolventen werden hoffentlich ausreichend eingestellt um dann für die Gestaltung des abschlussbezogenen Unterrichts zur Verfügung stehen.

Mit der veränderten Zuweisung von Lehrerwochenstunden wird es „Verlierer“ und „Gewinner“ geben. Wesentlich positiv kann angesehen werden, dass gerade diejenigen Schulen, deren Klassen immer an der Obergrenze der Schüleranzahl belegt waren, nun entlastet werden.

Abzuwarten bleibt, wie vom Landesschulamt im Bedarfsfall nachgesteuert werden kann.

Insbesondere ist Nachsteuerung im laufenden Schuljahr angezeigt, wenn sich der Zusatzbedarf für Fördermaßnahmen für Schüler und Schülerinnen mit Migrationshintergrund ändert.

Wolfgang Meier,
Referatsleiter Schulleitung und Schulaufsicht

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