Liebe Kolleginnen und Kollegen,

mit der jetzt Ihnen vorliegenden Ausgabe möchte ich Ihnen zunächst einen guten Start sowie viel Kraft und Freude für das neue Schuljahr wünschen.

Diese Wünsche sind vor allem deshalb nötig und notwendig, da es dem Bildungsministerium wieder nicht gelang, das recht ambitionierte Ziel von 1.000 besetzten Lehrerstellen zu erreichen. Es wurden 610 Stellen zum Beginn des Schuljahres ausgeschrieben, davon konnten nur 420 Stellen besetzt werden. Würde ich diese Leistung bewerten müssen, wäre es nach den derzeitigen Bewertungsmaßstäben eine gute „3“ (da 68 %). Jedoch reicht diese Anzahl noch lange nicht aus. Was bedeutet das für die im System befindlichen Lehrkräfte? Die hohe Zahl an Überstunden bleibt und wird weiter steigen. Dieser Anstieg der Lehrer-Überstunden ist ein Ergebnis der stetig steigenden Personalknappheit an den Schulen. Die verbliebenen Lehrer mussten und müssen immer mehr Vertretungsüberstunden übernehmen. Eine Entspannung ist nicht in Sicht. Viele Lehrer werden wohl auf ihrer Mehrarbeit sitzen bleiben. Im Endeffekt sind die Kinder die Leidtragenden, weil sie keinen guten und vollständigen Unterricht bekommen.
Unter den neu eingestellten Kolleginnen und Kollegen sind Seiteneinsteiger. Aufgrund der neuen Regelungen im Schulgesetz hatten diese die Möglichkeit, sich zu Beginn des neuen Schuljahres für ihr neues Berufsleben fortzubilden. Damit stehen ihnen später die weiteren Wege offen, um als vollwertige Lehrerinnen und Lehrer im Schuldienst des Landes anerkannt zu werden.

Angesichts dieser und anderer Bemühungen des Bildungsministeriums muss ich anerkennen, dass man sich dort nun auf den Weg gemacht, um gegen die Versäumnisse in der Personalplanung in der Vergangenheit zu arbeiten und Konzepte zu entwickeln. Nicht alles ist sofort spürbar, hätte aber schon vor Jahren erledigt sein können. Statt die Köpfe der Lehrkräfte der vorhergehenden Jahre zu zählen und zu sagen, dass sind zu viel wäre es besser gewesen, zu ermitteln was fehlen wird. Dazu gehört auch die Neuausrichtung von zu studierenden Fachkombinationen in den einzelnen Schulformen.

In den vergangenen Wochen gab es immer wieder Diskussionen rund um uns Lehrerinnen und Lehrer, pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Erzieherinnen Erzieher und andere wichtige Personen, die für einen ordentlichen Ablauf und Alltag in der Schule notwendig sind. Ende August las ich bei unseren Kolleginnen und Kollegen des slv, dem sächsischen Lehrerverband im VBE, die Positionierung über die politische Bildung und Arbeit an Sachsens Schulen. Es wurde seitens der Medien die große „Keule der Unfähigkeit“ der Lehrerinnen und Lehrer geschwungen.

Vor einiger Zeit bewegte sich diese unjournalistische „Keule der Unfähigkeit“ auch über die Kolleginnen und Kollegen in unserem Land. Allerdings wurde uns unterstellt, wie würden unsere Schülerinnen und Schüler nicht ausreichend und völlig undifferenziert über das Leben in der DDR aufklären. Viele Fehler der Politik werden uns angelastet. Wenn alles nicht weiterhilft, dann muss der DDR-Migrationshintergrund als Schuldzuweisung aushelfen. Diese Diffamierungen sind persönlichkeitsverachtend und persönlichkeitsmissachtend.

Aus meiner Sicht widersprechen solche Unterstellungen sogar dem Artikel EINS des GRUNDGESETZES!

Dennoch wünsche ich Ihnen allen Kraft und Erfolg sowie Freude in Ihrer Arbeit,

Ihr
Torsten Wahl

Zum Download „transparent“ 04-2018 als PDF