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VBE zur Regierungserklärung des Bildungsministers Marco Tullner vom 02.02.2017

Im Land nichts Neues

In seiner Regierungserklärung wollte Bildungsminister Marco Tullner am 2.Februar 2017 seine Vorstellungen zum Thema „Gute Unterrichtsversorgung als Kern guter Bildungspolitik“ vorstellen.

Was aber vorgetragen wurde, war nichts weiter als eine Art Sachstandsbericht zur Unterrichtsversorgung – das was jeder schon weiß.

Im PEK 2009 (Personalentwicklungskonzept) wurden schon die falschen Signale für eine zukunftsfähige Lehrerbedarfsplanung gesetzt (13 000 Vollzeitstellen). Nun sollen bis zum Ende der Legislaturperiode 14 500 sogenannte Lehrervollzeitäquivalente im Schuldienst beschäftigt werden. Entweder war die damalige Regierungskoalition (CDU und SPD!!!) blind und taub oder sie haben zumindest Scheuklappen vor den Augen gehabt. Alle Lehrergewerkschaften hatten bereits damals schon auf die kommenden Probleme hingewiesen, auch der VBE. Der VBE hat auch immer wieder auf den kommenden Lehrermangel hingewiesen, sowohl in Veranstaltungen mit dem damaligen Kultusminister Stephan Dorgerloh bzw. in Gesprächen mit dem CDU-Fraktionsvorsitzenden und jetzigem Finanzminister André Schröder. Auf die zweifelhaften Berechnungen im PEK bzw. den uns zur Verfügung gestellten Zahlen des Bildungsausschusses hatten wir mehrfach kritisiert. Entweder hatte die damalige Regierungskoalition keine Experten mit entsprechenden Mathematikkenntnissen oder sie sind davon ausgegangen, dass sie das Problem vielleicht gar nicht lösen müssen (!). Die Weichen für ein zukunftsfähiges Konzept hätte man früher stellen können bzw. müssen! Zu diesem Zeitpunkt wären „neue Denkmuster, neue Arbeitsabläufe“ und auch eine Flexibilität angebracht gewesen. Und da nützt auch nicht das Beweihräuchern mit den erstmalig 720 in einem Jahr eingestellten Lehrern. Und Herr Minister es ist richtig,„dass die Welt um uns herum nicht schläft, aber wir seit einigen Jahren."

Nun man hat dazugelernt. Laut Koalitionsvereinbarung sollen nun die Lehrkräfte in der Freistellungsphase der Altersteilzeit nicht mit in die Berechnung einbezogen werden. Es soll nur das Arbeitskräftevermögen einbezogen werden, das „zum Zweck der Unterrichtserteilung tatsächlich zur Verfügung steht“.

Die Vorschläge wie dem Mangel zu begegnen ist, sind auch nicht nur nicht neu sondern zwingend notwendig:

  • die Zahl der Referendariatsplätze (unkorrekte Verwendung des Begriffs „Referendar“. Diesen gibt es seit ein paar Jahren nicht mehr. Die angehenden Lehrerinnen und Lehrer heißen in Sachsen-Anhalt „Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst“) soll auf 780 Plätze erhöht werden.

    Kommentar: Der VBE hat seinerzeit bei der Änderung des Schulgesetzes im Jahr 2012 darauf verwiesen, dass die Zahl der Ausbildungsplätze dem Diktat des Finanzministers unterzuordnen sei, völlig falsch ist.
     
  • „Dezentralisierung der Referendariatsausbildung“

    Kommentar: Dieses wichtige strategische Vorhaben hätte schon längst umgesetzt werden müssen. Durch den flächendeckenden Einsatz von Lehrkräften im Vorbereitungsdienst werden aber nur auf dem Papier zusätzliche Unterrichtsstunden generiert. Die Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst müssen zunächst erst noch einige Hürden überwinden (Hospitationen, Unterrichten „unter Aufsicht“), erst dann kommt der eigenverantwortliche Unterricht. Die Unterrichtsstunden, die hier freigesetzt werden, sollen den betreuenden Kolleginnen und Kollegen sowie den Schulen zur Verfügung stehen zur Verrechnung mit dem laut Flexi-Erlass nicht erbrachten Unterrichtsstunden. Gegen andere Verwendungen, die Kolleginnen und Kollegen zusätzlich belasten, wird der VBE sich zur Wehr setzen.
     
  • modernes Online-Bewerbungsverfahren                       

    Kommentar: Das war längst schon überfällig. Nicht nur unserem Bildungsminister ist es schleierhaft, auch uns!
     
  • Konzept zur Qualifizierung von Seiten- und Quereinsteigern

    Kommentar: Bleibt nur zu hoffen, dass man diese Kolleginnen und Kollegen „nicht ins kalte Wasser schmeißt“. Eine entsprechende Vorbereitung und Qualifizierung vor dem Dienstbeginn in der Schule wären nicht nur wünschenswert sondern dringend erforderlich. Sonst bleiben alle auf der Strecke – Schüler, Eltern und Lehrer und damit die gesamte Bildung in Sachsen-Anhalt.

  • Verstetigung der Zahl der Studienplätze und der Erweiterung der Kapazitäten

    Kommentar: Dazu ist nach der Koalitionsvereinbarung eine „kurzfristige Erweiterung der vorhandenen Ausbildungskapazitäten in den bestehenden Lehramtsstudiengängen in Halle und Magdeburg in Anlehnung an die fachbezogenen Bedarfe (bei einem Gespräch im Bildungsausschuss vor einigen Jahren wurde mir gegenüber dies mit dem Verweis auf das Grundgesetz als nicht möglich bezeichnet)vorzunehmen. Das bedeutet jährlich 1000 Immatrikulationen.“ Hoffen wir nur, dass man diese Anzahl junger Menschen für ein Lehramtsstudium begeistern kann.

 

All diese Maßnahmen sind schon längst überfällig. Erst mit dem Aufgeben des Personalentwicklungskonzepts in der letzten Legislaturperiode zeigt sich der desolate Zustand in der Unterrichtsversorgung an den Schulen des Lands.

Zu guter Letzt entwickelt sich der Bildungsminister doch noch zum Zauberer. Er möchte geschätzte 1500 Lehrerstellen hervorzaubern. Da stellt sich nur die Frage, wo man denn die vielen ausgebildeten Lehrer herholen will.

Der Trick – Streichung von Anrechnungsstunden, Rückgängigmachen von Abordnungen aus den verschiedenen Bereich der öffentlichen Verwaltung.

Eines kann der VBE aber jetzt schon vorhersagen: Der Trick wird nicht funktionieren!

Der VBE muss dem Minister, zunächst, zu Gute halten, dass eine wesentliche Karte im Ärmel des „Zauberers“ nicht genutzt wird. Es ist die Anhebung der Wochenstundenzahl. Die Begründung hat er dem Parlament gleich mitgeliefert. Es liegt am zu hohen Altersdurschnitt der Lehrerinnen und Lehrer.

 

 

Helmut Pastrik                                           Torsten Wahl

VBE-Landesvorsitzender                       Stellv. VBE-Landesvorsitzender